
Deep Purple – Nobody´s Perfect (Live-DLP)
1988 erschien dieses Live-Doppelalbum der legendären Mark-II-Besetzung (Gillan, Blackmore, Glover, Lord, Paice) – für mich die Formation, die Deep Purple schlechthin verkörpert. Die zwölf Live-Aufnahmen, mitgeschnitten während diverser Shows in den USA und Oslo zwischen 1987 und 1988, lesen sich wie eine absolute Best-of-Liste: Von Klassikern wie Highway Star, Strange Kind of Woman und Child in Time bis hin zu den (damals) neueren Krachern wie Perfect Strangers oder Knocking At Your Back Door. Als Bonus gibt es obenauf die Studio-Neuaufnahme von Hush.
Verglichen mit dem heiligen Live-Gral Made In Japan (1972) klingt Nobody’s Perfect deutlich glatter. Der Mix ist sauber und druckvoll, doch manch ein Fan mag kritisieren, dass der rohe, gefährliche Vibe der 70er Jahre einem professionellen, fast schon routinierten Stadion-Rock-Sound gewichen ist.
Kurz ein paar Sätze zu den Protagonisten:
Ritchie Blackmore spielt gewohnt brillant. Seine Soli sind technisch makellos, wirken aber etwas weniger experimentierfreudig als in früheren Tagen.
Bei Ian Gillan beschleicht einen das Gefühl, dass der Zahn der Zeit ein wenig nagt. Während er bei den neueren Stücken (etwa Perfect Strangers) voll glänzt, muss er bei den extremen Schreien in Child in Time sichtlich kämpfen.
Jon Lord & Ian Paice bilden das unerschütterliche Fundament. Besonders Lords Orgel-Duelle mit Blackmores Gitarre zählen auch auf dieser Platte zu den absoluten Highlights.
Übrigens:
Der Name Nobody’s Perfect war eine ironische Anspielung auf die heftigen internen Spannungen – besonders zwischen Gillan und Blackmore –, die kurz nach dieser Veröffentlichung zum erneuten Ausstieg des Sängers führten.
Fazit:
Nobody’s Perfect ist sicher kein Ersatz für Made in Japan, aber ein faszinierendes Dokument einer legendären Band in ihrer ikonischsten Besetzung. Für mich steht fest: Diese Doppel-LP gehört in jede gut sortierte Plattensammlung!