
Chas & Dave „ A Little Bit Of Us“
Das Duo, bestehend aus Chas Hodges (Piano, Gesang) und Dave Peacock (Bass, Gesang), war weit mehr als eine bloße Party-Band. Sie erschufen mit „Rockney“ ihr ganz eigenes Genre: Eine mitreißende Fusion aus klassischem Rock ’n’ Roll und der unverkennbaren Cockney-Kultur Londons. Ihr Sound kombinierte virtuoses Boogie-Woogie-Piano mit der unbeschwerten Atmosphäre eines Pub-Singalongs und dem trockenen Humor der Music Hall. Das Revolutionäre daran: In einer Ära, in der fast jeder Popstar versuchte, mit amerikanischem Akzent zu singen, blieben sie konsequent ihrem nord-londoner Dialekt treu – ein echtes Statement musikalischer Identität.
Bevor sie als Duo die Charts stürmten, hatten sich beide bereits als erstklassige Session-Musiker einen Namen gemacht. So verdiente sich Chas Hodges seine Sporen unter anderem als Bassist für Rock-Legenden wie Jerry Lee Lewis und spielte an der Seite von Ritchie Blackmore.
Als das Album am 20. April 2018 erschien, glich dies einer kleinen Sensation. Nach über 30 Jahren, in denen hauptsächlich Cover-Versionen, Medleys oder Compilations wie „The Best Of“ oder „Gold“ den Markt dominierten, kehrten Chas & Dave mit brandneuem, eigenem Material zurück.
Bereits der Opener „A Little Bit of Me“ macht deutlich, dass die Chemie zwischen den beiden Musikern über die Jahrzehnte nichts an Magie eingebüßt hat. Das Album ist ein konsequentes „Back-to-Basics“-Werk:
Puristisch: Verzicht auf modernen Schnickschnack oder überladene Produktion.
Intim: Oft nur auf Piano, Bass und das Schlagzeugspiel von Chas’ Sohn Nik Hodges reduziert.
Authentisch: Es klingt genau so, wie ein Chas & Dave Album klingen muss – ehrlich, handgemacht und mit dem Charme eines feuchtfröhlichen Abends im Londoner Stammput.
Im Rückblick erhält die Platte eine tiefe, fast tragische Bedeutung. Da Chas Hodges nur wenige Monate nach der Veröffentlichung im September 2018 verstarb, wurde „A Little Bit of Us“ zum finalen Studio-Vermächtnis des Duos.
Fazit:
Dieses Album versucht nicht, das Rad der Musikgeschichte neu zu erfinden. Stattdessen ist es eine liebevolle Feier einer lebenslangen Freundschaft und eine Hommage an ihre tiefe Verwurzelung in der Londoner Arbeiterkultur. Ein würdiger, herzlicher Schlusspunkt einer beeindruckenden Karriere.