
Deep Purple – The Official Deep Purple (Overseas) Live Series
Es ist mal wieder an der Zeit, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Eine der ersten „satten“ Rock-LPs in meiner Sammlung dürfte Deep Purple In Rock gewesen sein. Heute greife ich jedoch auf eine Live-Aufnahme zurück, die im Rahmen der Official Deep Purple (Overseas) Live Series erschienen ist: „Copenhagen 1972“ in der klassischen Mark-II-Besetzung mit Blackmore, Gillan, Glover, Lord und Paice. Das Album umfasst drei schwere 180-Gramm-Vinyl-Scheiben.
Im Rahmen dieser Serie wurden folgende Konzerte auf Vinyl veröffentlicht:
Stockholm 1970 (Mark II): Ein rohes, energetisches Dokument der frühen Phase.
Long Beach 1971 (Mark II): Bekannt für eine der besten Versionen von „Strange Kind Of Woman“.
Copenhagen 1972 (Mark II): Die Band am absoluten Zenit, kurz vor der Veröffentlichung von Machine Head.
Graz 1975 (Mark III): Eines der letzten Konzerte mit Ritchie Blackmore; klanglich oft als überlegen gegenüber Made in Europe angesehen.
Paris 1975 (Mark III): Das finale Konzert mit Blackmore vor seinem ersten Ausstieg.
Long Beach 1976 (Mark IV): Eine der am besten dokumentierten Shows mit Tommy Bolin an der Gitarre.
In meiner Sammlung befinden sich neben dem Kopenhagen-Konzert noch „Long Beach 1971“ sowie „Long Beach 1976“ in der Besetzung Bolin, Coverdale, Hughes, Lord und Paice. Während das 1971er-Album lediglich zwei LPs umfasst, besteht die 1976er-Ausgabe – wie auch Kopenhagen – aus drei schwarzen Scheiben. Ergänzend sei angemerkt, dass einige dieser Konzerte zusätzlich in limitierten, farbigen Vinyl-Editionen erschienen sind.
Zur Soundqualität lässt sich festhalten: Sie ist spürbar schwankend. Es handelt sich eben nicht um polierte Studio-Produktionen, sondern um historische Dokumente der 70er Jahre. Pegelschwankungen und Mikrofonrauschen gibt es inklusive – und oft heißt es wohlwollend, genau das mache den Charme aus.
Da ich Deep Purple zu In Rock-Zeiten zweimal selbst live erleben durfte, war der Kauf von „Copenhagen 1972“ mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden. Rein klanglich ist das Ergebnis zwar eher ernüchternd, doch an Stücken wie „Strange Kind Of Woman“, „Child In Time“ und „Black Night“ hängen unzählige Erinnerungen. Es sind Momente meiner Jugend – einer Zeit, die man im Rückblick gerne glorifiziert, die aber tatsächlich viele unschöne Schatten aufwies. Vielleicht war es gerade diese Musik, die mich damals sicher durch diese Jahre getragen hat.
Heute blicke ich mit einer gewissen Abgeklärtheit darauf zurück. Ich habe meinen Frieden mit der Vergangenheit geschlossen und kann die Musik nun mit einem wohlwollenden Abstand wirken lassen. Dass dabei die klanglichen Mängel deutlicher hervortreten, nehme ich gelassen hin. Auch wenn die Platten wohl bald wieder ihren Platz im Regal finden werden, da es klanglich stärkeres Live-Material der Band gibt, bleibt das gute Gefühl, diese alten Begleiter noch einmal besucht zu haben. Am Ende zählt nicht die perfekte Aufnahme, sondern die Gewissheit, dass die Musik genau dann da war, als ich sie am meisten brauchte.