
Buck Owens – The Best of Buck Owens
Heute mache ich einen Ausflug in die goldene Ära der Country-Musik. Auf dem Plattenteller liegt ein echtes Schwergewicht: The Best of Buck Owens. Während das Album ursprünglich 1964 unter der Katalognummer ST-2105 als Mono-Pressung erschien, rotiert bei mir eine Nachpressung aus den späten 60ern – bereits in solidem Stereo.
Dieses Album war für Buck Owens der entscheidende Karriereschritt, der ihn zum unangefochtenen Superstar des „Bakersfield Sound“ machte. In einer Zeit, in der Nashville versuchte, Country-Musik mit Streichern und sanften Chören massentauglich zu polieren, setzte Bakersfield auf Konfrontation.
Der Sound war die Antwort auf die verrauchten Honky-Tonk-Bars Kaliforniens: elektrisch, laut und kantig genug, um sich gegen den Lärm des Publikums durchzusetzen. Buck Owens brachte damit den Rock ’n’ Roll-Vibe zurück in die Country-Charts.
Was macht diesen speziellen Sound aus? Es sind vor allem vier Zutaten:
Der „Twang“: Ein scharfer, schneidender Gitarrensound, meist erzeugt durch die Fender Telecaster.
Der Backbeat: Während Nashville das Schlagzeug oft nur dezent im Hintergrund hielt, peitschte es in Bakersfield mit einem harten, tanzbaren Rhythmus nach vorne.
Die Steel Guitar: Klagend, weinerlich und dennoch unglaublich präsent.
Der Harmoniegesang: Oft hoch und eng geführt, spürt man hier deutlich die mexikanischen Mariachi-Einflüsse der kalifornischen Grenze.
Pioniere und Erbe
Buck Owens, der „König von Bakersfield“, perfektionierte diesen Stil zusammen mit seiner legendären Band, den Buckaroos. Hits wie "Act Naturally" oder "Love’s Gonna Live Here" gelten bis heute als die Blaupause des Genres. Flankiert wurde die Bewegung von Merle Haggard, der als ehemaliger Häftling von San Quentin mit Songs wie "Mama Tried" die nötige lyrische Tiefe und Härte beisteuerte.
Ohne diese Rebellion hätte es den Outlaw Country der 70er Jahre (Waylon Jennings, Willie Nelson) wohl nie in dieser Form gegeben. Sogar die Großen des Rock ’n’ Roll verneigten sich: Die Beatles coverten Buck Owens, und auch die Rolling Stones ließen sich massiv vom elektrischen Twang inspirieren.
Fazit
Diese „Best of“-LP ist ein absolutes Must-have. Die Synergie zwischen Buck Owens und seinem Gitarristen Don Rich ist förmlich greifbar – die Harmonien sind messerscharf und die Telecaster-Gitarren definieren ein ganzes Jahrzehnt. Auf diesem Album gibt es keine „Füller“; jede Nummer ist ein Klassiker.
Mein Tipp: Wenn ihr diese Platte auf einem Flohmarkt oder im Laden entdeckt: Zuschlagen! Sie ist der perfekte Einstieg in die Welt des Honky-Tonk.
Tipp für den Hörgenuss: Legt "Act Naturally" (Seite 2, Track 1) auf, dreht die Höhen am Verstärker ordentlich rein und lasst euch den Twang direkt in die Gehörgänge schneiden. Viel Spaß beim Hören!