Das Grateful Dead House - 710 Ashbury Street
Ende 1966 kamen die Mitglieder der Grateful Dead hier an, mitten in Haight-Ashbury.
Das Viertel kochte bereits. Hippies, Musiker, Aussteiger. Das Haus wurde sofort Teil der Szene.
Die Tür stand oft offen. Wer hereinkam, blieb. Wer blieb, brachte etwas mit. Musik, Ideen, Chaos.
Als die Dead hier einzogen, brachten sie keine Ordnung mit, sondern Offenheit.
Im Inneren herrschte Dauerbetrieb. Proben, Jams, endlose Nächte, Stromkabel, Verstärker, Instrumente überall.
Nachbarn beschwerten sich aber die Band spielte trotzdem weiter. Für die Dead war Musik kein Zeitfenster, sondern ein Zustand.
Das Haus wurde zum Resonanzraum des San-Francisco-Sounds. Improvisation statt Ordnung. Gemeinschaft statt Privatsphäre.
Hier formte sich der typische Dead-Ansatz. Keine festen Setlists. Keine Kontrolle. Songs dehnten sich aus, zerfielen, fanden neu zusammen.
Die Band spielte, um sich selbst zu verlieren. Wer zuhörte, wurde Teil davon.
Konzerte außerhalb des Hauses speisten sich aus diesen Nächten. Die langen Improvisationen im Fillmore West und im Avalon Ballroom hatten hier ihren Ursprung. Themen wurden im Haus angerissen, live ausgeweitet, wieder aufgelöst. Jeder Abend anders. Das war keine Strategie, das war Haltung.
Eine oft erzählte Anekdote: Eines Morgens standen plötzlich Polizisten vor dem Haus. Lärmbeschwerden.
Die Band öffnete, freundlich, ruhig. Jerry Garcia bot Kaffee an. Bob Weir begann, leise Gitarre zu spielen.
Die Situation entspannte sich. Keine Eskalation. Die Polizisten gingen wieder. Typisch San Francisco. Typisch Dead. Konflikt wurde aufgelöst, nicht bekämpft.
Der Andrang wuchs und viele Fans standen vor dem Haus, um Nähe zu spüren. Irgendwann wurde es zu viel und die Band zog weiter.
Doch die Prägung blieb. Die 710 Ashbury Street wurde zum stillen Ursprung des San-Francisco-Sounds.
Wer den San-Francisco-Sound verstehen will, muss dieses Haus als geistigen Resonanzraum begreifen. Alles andere kam später.


