Tranceformer hat geschrieben: ↑Do 12. Mär 2026, 17:40

Schwarzbrenner – Das Eichendorff-Album
Die Ratinger Bluesrock-Formation Schwarzbrenner rund um Mastermind Wolfgang Becker hat am 9. März 2026 ihr mittlerweile 17. Studioalbum veröffentlicht. Inspiriert wurden Becker, Christoph Keisers, Marc Sokal und Theofilos Fotiadis durch ein besonderes Jubiläum: Vor genau 200 Jahren – im Jahr 1826 – erschien Joseph von Eichendorffs unverwüstliche Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.
Die Band bleibt ihrem einzigartigen Konzept treu, klassische deutsche Lyrik in ein erdiges Gewand aus Blues, Rock und melancholischen Balladen zu hüllen. Wie der Titel verrät, widmet sich das neue Werk primär den Texten Eichendorffs (1788–1857), einem der bedeutendsten Vertreter der deutschen Romantik.
Bereits auf dem 2022 erschienenen Album „Goldene Ströme“ befasste sich Wolfgang Becker mit Eichendorff. Die damaligen sechs Beiträge wurden nun um zwei ebenfalls bereits veröffentlichte Lieder sowie fünf brandneue Kompositionen ergänzt und zu einem geschlossenen Gesamtwerk vereint.
Eichendorffs Gedichte wurden in der Musikgeschichte vielfach vertont, doch die Liaison aus Blues, Soul und Rock dürfte in dieser Form eine gewisse Einmaligkeit sein. Es ist bereits das sechste Album der Band, das sich intensiv mit der Epoche der Romantik auseinandersetzt. Schwarzbrenner schafft es dabei erneut, den „verstaubten“ Ruf von Schulbuch-Lyrik mit kräftigen Gitarrenriffs wegzublasen.
Wolfgang Becker, verantwortlich für Komposition und Arrangement, gelingt eine wunderbare Symbiose:
Keine bloße Vertonung:
Die Musik fängt die Stimmungen der Vorlagen ein, statt sie nur zu begleiten.
Themen mit Tiefgang:
Motive wie Sehnsucht, Wanderschaft und mystische Natur finden in bluesigen Riffs und getragenen Orgelklängen ihre perfekte Entsprechung.
Ehrlicher Sound:
Trotz der romantischen Vorlagen meidet die Band jeglichen Kitsch. Der Sound bleibt direkt und handgemacht – „Bluesrock fernab von modischem Schnickschnack“.
Herausragende Beispiele für diese Gratwanderung sind die Stücke „Nächtlich dehnen sich die Stunden“ sowie „Der Mond ist trostreich aufgegangen (Suite, Pt. 2)“.
Besonders hervorheben möchte ich abschließend Wolfgang Beckers Gesang:
Seine markante, raue Stimme verleiht den über 200 Jahre alten Versen eine zeitlose Dringlichkeit und eine faszinierende Tiefe, die allein schon den Kauf der CD rechtfertigt. Dabei fällt auf, dass seine Stimme von Album zu Album noch an Reife gewinnt: Sie wirkt präsenter, dominanter und wird so immer mehr zum zentralen, tragenden Element der Musik.
Fazit:
Für Fans von handgemachtem Bluesrock und Literaturliebhaber ist dieses Album ein Pflichtkauf. Es ist kein Werk für den Hintergrund, sondern eines, auf das man sich bewusst einlassen sollte – ideal für eine kleine Auszeit, eine Zeit des Innehaltens oder schlicht eine intensive „poetische Kopfhörer-Zeitreise“.